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INTERVIEW MIT JANINE W., SHIATSU-THERAPEUTIN, DEUTSCHLAND

Wo und wie bist du das erste Mal mit Meditation in Kontakt gekommen?
Janine: «Das war vor über 10 Jahren, während einer persönlichen Krise mit Burnout-Symptomen. In einem Unterstützungsangebot, das ich da besucht hatte, haben wir viel meditiert, und dort hab ich zum ersten Mal gehört, dass es Orte gibt in Deutschland, an denen man Retreats machen kann. Daraufhin habe ich mir verschiedene Angebote angeschaut und mich dann entschieden, mein erstes Meditations-Retreat zu machen: Es war ein Vipassana-Meditations-Retreat und dauerte rund eine Woche.»

Was hat dich damals motiviert weiter zu meditieren?
Janine: «Da war dieser intensive Kontakt mit mir selbst – gewissermassen diese Reisen in mich und durch mich hindurch. Zu spüren wie viel sich da im Inneren bewegt – und dies tatsächlich alles mit geschlossenen Augen, ohne dass ich im Aussen irgendwelche Reize mitkriege. Dass da so viel Lebendigkeit, so viele Geschichten, so viel Buntes, so eine grosse Vielfalt an Leben einfach im Inneren pulsiert. Dieser Innen-Blick: Mir dafür mal richtig Raum zu nehmen und darin abzutauchen hatte mich damals sehr fasziniert.»

Was ist deine regelmässigste Meditationspraxis?
Janine: «Das Tanzen nach den 5 Rhythmen (nach Gabrielle Roth) und Alltags-Meditationen wie etwa ein Waldspaziergang als Geh-Meditation oder auch achtsames Spülen von Geschirr, achtsames Kochen, …achtsames Duschen.»

Was gefällt dir am meisten am Meditieren?
Janine: «Diese Zentrierung, Einfachheit und Konzentration auf eine Bewegung, auf einen Aspekt in mir selbst oder einfach auf Eins… weg von allen Reizen im Aussen. Diese Vereinfachung und Reduzierung von Komplexität, wodurch auch eine grosse Klarheit und Reinheit entsteht.»

Was findest du am schwierigsten beim Meditieren?
Janine: «Die bewusste Entscheidung für diesen intensiven Kontakt mit mir selbst. Und die damit verbundene Notwendigkeit, mich aus dem Kontakt mit der Welt und den Menschen um mich herum zu verabschieden, mich zu lösen… mich bewusst ganz für mich zu entscheiden. Das ist herausfordernd für mich.»

Gibt es etwas, das du lernen oder erfahren möchtest durch Meditation?
Janine: «Ich bin eine Suchende nach Wahrheit und Klarheit, und in der Meditation finde ich oft meine Antworten auf meine persönlichen Fragen. Ganz besonders in Meditationsformen, die in Bewegung sind, und in freien Meditationen, die fast ohne Form auskommen. Da begegne ich meinen inneren Antworten und Lösungen jeweils besonders einfach. Ausserdem bin ich angezogen von Einfachheit, von etwas Purem, Ruhendem, Echtem… und das finde ich auch in der Meditation.»

Hat Meditation einen Einfluss auf deine Arbeit als Shiatsu-Therapeutin?
Janine: «Für mich ist Shiatsu Meditation: Meditation in Bewegung und in Berührung. Da gibt es für mich keine Trennung. Die Arbeit und Aufgabe, die ich als Shiatsu-Therapeutin habe, und Meditation ist für mich das gleiche. Ich glaube auch, dass noch mehr Aufgaben auf mich warten, in denen ich in einem zentrierten und meditativen Zustand verweile und dies beruflich anwenden werde.»

Wie wichtig ist dir dein Körper beim Meditieren?
Janine: «Der Körper ist für mich essenziell. Er ist ein Anker und ein Tor. Sobald ich nicht bewusst in meinem Körper bin, ihn nicht bewusst wahrnehme, bin ich nicht präsent: Dann bin ich vielleicht irgendwo, aber nicht wirklich da. Dies gilt für mich auch für stille Meditationen ohne Bewegung, wie etwa Vipassana-Meditationen. Meditation ohne Körper geht für mich nicht.»

Wo und wann meditierst du am liebsten?
Janine: «Ich mag die ganz frühen Morgenstunden und die späten Stunden des Tages sehr gern. In diesen Zeiten fühle ich eine energetische Schwingung, die weniger komplex ist und mir den Zugang in diese Einfachheit, in die Meditation erleichtert. Als Ort schätze ich die Schwitzhütte, diese Kombination aus Dunkelheit und dieser Hitze. Auch ist ganz generell Meditation im unmittelbaren Kontakt mit der Natur immer wieder sehr wichtig und heilsam für mich  – diese Qualität hat ja auch eine Schwitzhütte. Auch beim Tanz – einer meiner Lieblings-Meditationsformen – finde ich in der Natur viel rascher einen direkten Zugang zu mir selbst.»

Was würdest du deinem jüngeren Selbst, das gerade anfängt zu meditieren, rückblickend für einen Tipp mit auf den Weg geben?
Janine: «Glaube nicht, dass es ein Richtig und ein Falsch gibt, eine richtige und eine falsche Technik gibt bei der Meditation. Glaube nicht, Meditation heisst aufhören zu denken. Meditation kann überall und in allem stattfinden, in einem Retreat genauso wie im Alltag bei einer Busfahrt zum Beispiel. Und es geht bei Meditation nicht darum, etwas bestimmtes darzustellen gegen aussen oder irgendwo dazuzugehören: Es geht um die Bereitschaft und die Offenheit dafür, wirklich sich selbst zu begegnen – egal wie.»

Gibt es etwas zu Meditation, das du noch mitteilen möchtest?
Janine: «In vielen Lebenssituationen habe ich immer noch die Tendenz mich sehr anzustrengen, mich sehr zu bemühen und zu kämpfen. Eine der einfachsten Möglichkeiten, bei der ich mir erlaube all das einfach mal loszulassen, ist Meditation.»

Herzlichen Dank Janine für das Interview.
Interview: Urs Meyer